Wohnung auflösen beim Umzug ins Pflegeheim
Wenn ein Elternteil ins Pflegeheim zieht, kommen vier Fragen fast immer zusammen: Wer zahlt die Wohnungsauflösung, wie lange läuft die Miete noch, was will das Sozialamt sehen und in welcher Reihenfolge erledigt man das alles bis zum Einzug. Dieser Ratgeber beantwortet sie der Reihe nach. Er ersetzt keine Rechts- oder Sozialberatung, über eine Kostenübernahme entscheidet immer das zuständige Amt im Einzelfall.
Kurz gesagt: Die Wohnungsauflösung zahlt zuerst die Person, die ins Heim zieht. Reichen Rente und Ersparnisse nicht, kann das Sozialamt über die Hilfe zur Pflege einspringen, wenn es vor der Beauftragung zugesagt hat. Kinder werden nur bei einem Jahreseinkommen über 100.000 € herangezogen. Die Pflegekasse zahlt die Auflösung in aller Regel nicht.
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Wer zahlt die Wohnungsauflösung bei Umzug ins Pflegeheim?
Bezahlt wird die Auflösung in einer festen Reihenfolge. Zuerst ist die Person dran, die ins Heim zieht. Ihre Rente, ihre Ersparnisse und der Erlös aus Stücken, die sich verkaufen lassen, tragen die Kosten. Finden wir bei der Besichtigung Verwertbares, rechnen wir den Verkaufswert auf den Festpreis an (so funktioniert die Wertanrechnung). Bei den meisten Haushalten ist das ein Teil der Kosten, nicht alles. Wenn nichts Verwertbares dabei ist, sagen wir das bei der Besichtigung.
Reichen Rente und Vermögen neben den Heimkosten nicht, springt das Sozialamt mit der Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII ein. Geschützt bleibt dabei ein Schonvermögen von 10.000 € pro Person (§ 90 SGB XII, bei Ehepaaren 20.000 €). Auch angemessener Hausrat muss nicht verkauft werden (§ 90 Abs. 2 Nr. 4 SGB XII), wertvolle Einzelstücke wie Schmuck oder eine Sammlung können dagegen zum Vermögen zählen. Ob das Amt auch die Räumung übernimmt, entscheidet es im Einzelfall. Einen automatischen Anspruch gibt es nicht. Entscheidend ist, die Zusage vor der Beauftragung schriftlich zu haben. Wie das Verfahren läuft, steht im Ratgeber Wohnung räumen mit Sozialamt oder Jobcenter.
Müssen die Kinder zahlen? Die Grenze von 100.000 €
Seit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz von 2020 holt sich das Sozialamt Geld für die Hilfe zur Pflege bei Kindern nur zurück, wenn deren Jahreseinkommen über 100.000 € liegt (§ 94 Abs. 1a SGB XII). Das Amt geht zunächst davon aus, dass diese Grenze nicht überschritten ist. Die Grenze gilt im Verhältnis zwischen Kindern und Eltern. Für Ehepartner gilt sie nicht, sie bleiben einander unterhaltspflichtig.
Eine Falle liegt woanders, nämlich in der Unterschrift. Wer als Tochter oder Sohn den Auftrag für die Wohnungsauflösung im eigenen Namen unterschreibt, wird selbst Vertragspartner und schuldet die Rechnung. Mit einer Vorsorgevollmacht unterschreiben Sie im Namen von Mutter oder Vater, dann zahlt deren Vermögen. Bei einer rechtlichen Betreuung unterschreibt der Betreuer.
Pflegekasse: zahlt die Auflösung in aller Regel nicht
Die Pflegekasse bezuschusst nach § 40 SGB XI wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, also Umbauten, damit Pflege in der eigenen Wohnung möglich bleibt. Wer ins Heim zieht, gibt die Wohnung auf. Das Ausräumen fällt deshalb nicht darunter. Alle Kostenträger im Vergleich, auch Krankenkasse und Vermieter, sortiert der Ratgeber Wer zahlt die Haushaltsauflösung?
Was die Auflösung ungefähr kostet
Bei normalem Füllgrad kostet die Auflösung einer 1-Zimmer-Wohnung in Berlin 1.000 bis 1.800 €, einer 2-Zimmer-Wohnung 1.700 bis 3.000 € und einer 3-Zimmer-Wohnung 2.400 bis 4.200 € (Stand 2026). Volle Keller, hohe Stockwerke ohne Aufzug und sehr volle Wohnungen liegen darüber. Den Festpreis nennen wir nach der Besichtigung. Wie sich die Spannen zusammensetzen, steht im Kosten-Ratgeber.
Kündigung und Mietende: gibt es ein Sonderkündigungsrecht?
Ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht wegen des Umzugs ins Pflegeheim gibt es nicht. Es gilt die Kündigungsfrist für Mieter nach § 573c BGB, unabhängig davon, wie lange die Wohnung schon gemietet ist. Geht die schriftliche Kündigung bis zum dritten Werktag eines Monats beim Vermieter ein, endet das Mietverhältnis mit Ablauf des übernächsten Monats. Wer am 2. November kündigt, zahlt also bis Ende Januar. Eine Kündigung per Mail oder Telefon reicht nicht, sie braucht eine eigenhändige Unterschrift (§ 568 BGB).
Schneller geht es nur mit dem Vermieter zusammen. Viele Vermieter stimmen einem Aufhebungsvertrag zu, wenn die Wohnung früher geräumt übergeben wird oder ein Nachmieter bereitsteht. Einen Anspruch darauf gibt es nicht. Steht im Mietvertrag ein Kündigungsverzicht für eine bestimmte Zeit, lassen Sie den Vertrag beim Mieterverein prüfen. Fragen Sie beim Sozialamt außerdem, ob es die Miete bis zum Ende der Frist übernimmt, wenn der Antrag auf Hilfe zur Pflege läuft.
Kündigen darf, wer im Namen der Mieterin oder des Mieters handeln kann: die Person selbst, ein Bevollmächtigter mit Vorsorgevollmacht oder ein Betreuer. Für Betreuer gilt eine Besonderheit. Die Kündigung einer Wohnung, die die betreute Person selbst bewohnt hat, muss das Betreuungsgericht genehmigen (§ 1833 BGB). Wie das abläuft, steht im Ratgeber Wohnungsauflösung durch Betreuer. Planen Sie dafür einige Wochen ein und räumen Sie erst, wenn die Genehmigung da ist.
Welche Unterlagen das Sozialamt braucht
Den Antrag auf Hilfe zur Pflege stellen Sie beim Sozialamt des Bezirks, in dem die Person zuletzt gewohnt hat. Stellen Sie ihn früh, auch wenn noch Unterlagen fehlen. Sozialhilfe setzt ein, sobald das Amt vom Bedarf weiß (§ 18 SGB XII), für die Zeit davor zahlt es in der Regel nicht. In der Regel fragt das Amt nach diesen Unterlagen:
- Personalausweis und Nachweis der Krankenversicherung
- Bescheid der Pflegekasse über den Pflegegrad
- Heimvertrag und Kostenaufstellung des Heims
- Rentenbescheide und weitere Einkommensnachweise
- Kontoauszüge der letzten Monate
- Nachweise über Sparbücher, Depots, Lebensversicherungen und Bausparverträge
- Angaben zu Schenkungen der letzten zehn Jahre
- Mietvertrag und Kündigung
- Vorsorgevollmacht oder Betreuerausweis
- für die Räumung ein schriftlicher Kostenvoranschlag, oft verlangt das Amt zwei bis drei Angebote
Die vollständige Liste steht im Antragsformular des Bezirksamts. Unser Angebot stellen wir nach der kostenlosen Besichtigung schriftlich und mit Einzelpositionen aus, so dass Sie es unverändert beim Amt einreichen können.
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Festpreis nach der Besichtigung, ohne Nachforderung. Zur Besichtigung kommt Julian oder Lukas Hecht selbst.
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Zeitplan vor dem Einzug ins Pflegeheim
Oft kommt die Zusage für den Heimplatz kurzfristig. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:
- Sobald der Heimplatz feststeht: Heimvertrag prüfen, Antrag auf Hilfe zur Pflege stellen, falls das Geld nicht reicht, und die Wohnung schriftlich kündigen.
- In den ersten Tagen danach: beim Heim fragen, wie groß das Zimmer ist und welche eigenen Möbel erlaubt sind. Dokumente, Vollmachten, Sparbücher und Wertsachen einsammeln und getrennt aufbewahren.
- Vor dem Einzug: gemeinsam mit der Person festlegen, was mitkommt. Zuerst das Vertraute, etwa der Sessel, Bilder, Fotoalben und die eigene Bettwäsche, dann das Praktische. Was in der Familie bleiben soll, jetzt verteilen.
- Am Einzugstag: die ausgewählten Möbel ins Heim bringen und dort aufbauen.
- Nach dem Einzug: die Wohnung auflösen, Strom, Telefon und Rundfunkbeitrag kündigen oder ummelden, einen Nachsendeauftrag einrichten und die Person innerhalb von zwei Wochen am Heim anmelden (§ 17 Bundesmeldegesetz).
- Bis zum Mietende: die Wohnung besenrein und mit Übergabeprotokoll an den Vermieter zurückgeben.
Bei allen Entscheidungen gilt: Solange die Person selbst entscheiden kann, entscheidet sie, auch wenn die Kinder organisieren. Gehen Sie mit ihr durch die Räume, bevor etwas weggegeben wird. Das dauert einen Nachmittag länger und erspart Streit, der oft Jahre nachwirkt. Die Kündigungsfrist gibt Ihnen die Zeit dafür.
Wenn ein Betreuer die Wohnung auflöst
Hat das Betreuungsgericht eine rechtliche Betreuung eingerichtet, kümmert sich der Betreuer um Kündigung, Antrag und Auftrag, sofern ihm die Aufgabenkreise Wohnungsangelegenheiten und Vermögenssorge übertragen sind. Angehörige ohne eigene Vollmacht entscheiden dann nicht über den Hausrat. Sie sollten dem Betreuer aber früh sagen, welche Stücke für die Familie wichtig sind. Der Erlös aus verkauften Gegenständen gehört der betreuten Person. Wie wir mit Betreuern arbeiten, steht auf der Seite Für Betreuer.
Umzug ins Heim und Auflösung beauftragen
Die Auflösung ist der aufwendigste Teil, der Umzug ins Heim der empfindlichste. Wir übernehmen beides in einem Auftrag: Zur Besichtigung kommt einer der beiden Geschäftsführer, Julian oder Lukas Hecht. Wir bringen die ausgewählten Möbel ins Heim, bauen sie dort auf und lösen danach den Rest der Wohnung auf, bis zur besenreinen Übergabe. Wie das abläuft, steht auf der Seite Wohnungsauflösung wegen Umzug ins Pflegeheim.
Über den Autor
Julian Hecht ist Mitgründer und Geschäftsführer der Freiraum Auflösungen GmbH. Seit 2020 führt er Besichtigungen und Auflösungen in Berlin und Brandenburg durch, von der Nachlassauflösung bis zur Betriebsräumung, und schreibt hier über die Fragen, die ihm Kunden dabei am häufigsten stellen. Sein psychologischer Hintergrund hilft dort, wo Auflösungen Menschen in Ausnahmesituationen treffen: nach einem Todesfall, in Messie-Wohnungen, beim Umzug ins Pflegeheim. Mehr über uns →
Häufige Fragen
Wer zahlt die Wohnungsauflösung bei Umzug ins Pflegeheim?
Zuerst die Person, die ins Heim zieht, aus Rente, Ersparnissen und dem Erlös verwertbarer Stücke. Reicht das neben den Heimkosten nicht, kann das Sozialamt über die Hilfe zur Pflege einspringen, wenn es die Kosten vor der Beauftragung schriftlich zugesagt hat. Die Pflegekasse zahlt die Auflösung in aller Regel nicht.
Müssen Kinder die Wohnungsauflösung oder das Pflegeheim bezahlen?
Seit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz holt sich das Sozialamt Geld von Kindern nur zurück, wenn deren Jahreseinkommen über 100.000 € liegt (§ 94 Abs. 1a SGB XII). Diese Grenze gilt für Kinder und Eltern, nicht für Ehepartner. Achten Sie außerdem darauf, den Auftrag im Namen von Mutter oder Vater zu unterschreiben, mit Vollmacht. Wer im eigenen Namen unterschreibt, schuldet die Rechnung selbst.
Gibt es ein Sonderkündigungsrecht beim Umzug ins Pflegeheim?
Ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht wegen des Umzugs ins Pflegeheim gibt es nicht. Es gilt die Kündigungsfrist für Mieter nach § 573c BGB: Kündigung schriftlich bis zum dritten Werktag eines Monats, das Mietverhältnis endet mit Ablauf des übernächsten Monats, also nach knapp drei Monaten. Ein früheres Ende geht nur mit einem Aufhebungsvertrag, wenn der Vermieter zustimmt.
Welche Unterlagen braucht das Sozialamt für die Hilfe zur Pflege?
In der Regel den Antrag, den Bescheid über den Pflegegrad, den Heimvertrag mit der Kostenaufstellung des Heims, Renten- und Einkommensnachweise, Kontoauszüge, Nachweise über Sparbücher, Versicherungen und Bausparverträge, den Mietvertrag mit Kündigung und die Vollmacht oder den Betreuerausweis. Für die Räumung kommt ein schriftlicher Kostenvoranschlag dazu. Die genaue Liste gibt das zuständige Bezirksamt vor.
Zahlt die Pflegekasse die Wohnungsauflösung beim Umzug ins Heim?
In aller Regel nein. Die Pflegekasse bezuschusst nach § 40 SGB XI Maßnahmen, die die Pflege in der eigenen Wohnung ermöglichen, etwa einen Umbau. Das Ausräumen einer Wohnung, die aufgegeben wird, gehört nicht dazu. Planen Sie die Pflegekasse für die Auflösung deshalb nicht ein.
Wie schnell muss die Wohnung nach dem Umzug ins Pflegeheim geräumt sein?
Bis zum Ende des Mietverhältnisses, also bis zum Ablauf der Kündigungsfrist. Die Räumung selbst dauert bei einer normal möblierten Wohnung meist ein bis drei Arbeitstage. Die Zeit davor brauchen Sie für die Entscheidungen, was mitkommt, was in der Familie bleibt und was verkauft wird.
Kann man die Kosten der Auflösung von der Steuer absetzen?
Für die Person, deren eigener Haushalt aufgelöst wird, kommen die Arbeitskosten als haushaltsnahe Dienstleistung nach § 35a EStG in Betracht: 20 Prozent, höchstens 4.000 € im Jahr. Voraussetzung sind eine Rechnung mit ausgewiesenen Arbeitskosten und die Zahlung per Überweisung. Ob es im Einzelfall greift, klärt der Steuerberater.