Wer zahlt die Haushaltsauflösung? Pflegekasse, Sozialamt und Steuer im Überblick
Wenn eine Wohnung aufgelöst werden muss, folgt auf die Frage, wer die Arbeit macht, fast immer die Frage, wer sie bezahlt. Rund um Pflege, Erbe und Sozialhilfe kursieren viele Hoffnungen, und einige davon führen in die Irre. Dieser Ratgeber ordnet ein, welcher Kostenträger in welcher Situation wirklich einspringt, was Pflegekasse und Krankenkasse gerade nicht zahlen und mit welchen zwei Hebeln Sie die Kosten am wirksamsten senken.
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Die ehrliche Kurzfassung
Bevor wir ins Detail gehen, die wichtigste Klarstellung, weil sich hier die meisten falschen Erwartungen aufbauen: Weder die Krankenkasse noch, von Ausnahmen abgesehen, die Pflegekasse zahlen eine Haushaltsauflösung. Die realistischen Wege, Kosten ganz oder teilweise gedeckt zu bekommen, sind das Sozialamt (bei Mittellosigkeit zu Lebzeiten), die Steuer (§ 35a EStG beim eigenen Haushalt, nach einem Todesfall allenfalls bei der Erbschaftsteuer) und die Wertanrechnung. Alle Wege, auch die, die meist nicht greifen, sehen wir uns der Reihe nach an.
1. Pflegekasse: warum sie fast nie zahlt
Viele Angehörige hoffen, dass die Pflegeversicherung die Auflösung übernimmt, wenn der Umzug ins Heim pflegebedingt ist. Das ist verständlich, trifft aber meist nicht zu. Die Pflegekasse fördert nach § 40 SGB XI wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, also den Umbau einer Wohnung, damit Pflege dort möglich wird (etwa barrierefreies Bad, Treppenlift). Das Ausräumen einer aufgegebenen Wohnung fällt nicht darunter.
Eine Ausnahme gibt es nur für die häusliche Pflege: Zieht jemand in eine barrierearme Wohnung, um dort weiter gepflegt zu werden, kann die Pflegekasse den Umzug als wohnumfeldverbessernde Maßnahme bezuschussen. Beim Umzug ins Pflegeheim greift das nicht, planen Sie die Pflegekasse dort nicht ein. Mehr zum einfühlsamen Ablauf beim Heimwechsel lesen Sie auf unserer Seite Seniorenumzug & Wohnungsauflösung.
2. Krankenkasse: zahlt nicht
Kurz und eindeutig: Die gesetzliche Krankenkasse trägt keine Wohnungsauflösung oder Entrümpelung. Das gehört nicht zu ihrem Leistungskatalog, auch nicht bei Krankheit oder nach einem Klinikaufenthalt. Wir nennen das hier ausdrücklich, damit niemand auf dieser Grundlage plant.
Unsicher, was in Ihrem Fall realistisch ist? Wir sagen es Ihnen: kostenlos vor Ort.
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Festpreis nach der Besichtigung, ohne Nachforderung. Zur Besichtigung kommt Julian oder Lukas Hecht selbst.
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3. Sozialamt: der wichtigste Weg bei Mittellosigkeit
Lebt die betroffene Person noch und ist mittellos, etwa bei einem Umzug ins Heim, kommt das Sozialamt in Betracht. Bei einer Räumung mit Leistungsbezug greifen je nach Konstellation Sozialamt (SGB XII) oder Jobcenter (§ 22 SGB II).
Nach einem Todesfall ist die Lage eine andere. Die Räumung gehört zu den Nachlassverbindlichkeiten und wird von den Erben aus dem Nachlass bezahlt. Reicht der Nachlass nicht, können Erben ihre Haftung auf den Nachlass beschränken oder das Erbe ausschlagen. Das Sozialamt übernimmt im Todesfall allenfalls die Kosten der Bestattung (§ 74 SGB XII), wenn die Pflichtigen sie nicht tragen können, die Räumung der Wohnung jedoch nicht. Was nach einem Todesfall gilt, wer zahlt und wie die Rechnung zwischen Miterben aufgeteilt wird, steht auf der Seite Wohnungsauflösung nach einem Todesfall: wer zahlt.
Der entscheidende Punkt, wenn das Sozialamt zu Lebzeiten zahlen soll: Die Kostenübernahme muss vor der Beauftragung schriftlich zugesichert sein. Wer erst räumen lässt und dann den Antrag stellt, bleibt regelmäßig auf den Kosten sitzen. Den genauen Ablauf beschreibt unser Ratgeber Wohnung räumen mit Sozialamt / Jobcenter.
4. Steuer: § 35a und Nachlassverbindlichkeiten
Wer die Auflösung des eigenen Haushalts selbst bezahlt, kann sie häufig steuerlich geltend machen. Die Arbeitskosten lassen sich als haushaltsnahe Dienstleistung nach § 35a EStG mit 20 Prozent (bis zu 4.000 Euro jährlich) direkt von der Steuerschuld abziehen.
Nach einem Todesfall greift § 35a nicht, denn die Wohnung des Verstorbenen ist nicht der Haushalt der Erben. Die Auflösungskosten können dann allenfalls bei der Erbschaftsteuer als Nachlassverbindlichkeiten zählen. Das wirkt nur, wenn überhaupt Erbschaftsteuer anfällt, also wenn der Erwerb über dem persönlichen Freibetrag liegt, und die Einzelkosten zählen nur, soweit sie den Pauschbetrag für Erbfallkosten übersteigen.
Voraussetzung für § 35a ist eine ordnungsgemäße Rechnung mit ausgewiesenen Arbeitskosten und unbare Zahlung. Beides liefern wir. Die konkrete steuerliche Bewertung übernimmt Ihr Steuerberater. Details im Ratgeber Auflösungskosten von der Steuer absetzen.
5. Wertanrechnung: Kosten senken ohne fremden Kostenträger
Der Hebel, den viele übersehen: Finden sich bei der Besichtigung verwertbare Gegenstände, Möbel, Antiquitäten, Sammlungen, Werkzeug, rechnen wir deren realistischen Verkaufswert transparent gegen die Kosten der Auflösung an. Das senkt die Rechnung unmittelbar, ganz ohne Antrag bei einer Behörde. Wie Sie erkennen, ob in einem Nachlass Werte stecken, zeigt unser Ratgeber Wertgegenstände im Nachlass erkennen.
Auch hier gilt: Eine Wertanrechnung gibt es, wenn tatsächlich verwertbare Stücke vorhanden sind. Ist das nicht so, sagen wir es Ihnen offen. Was eine Auflösung ohne Anrechnung kostet, lesen Sie in Was kostet eine Wohnungsauflösung in Berlin?, oder Sie ermitteln Ihre Spanne direkt mit dem Kosten-Rechner. Wann eine Auflösung am Ende gar nichts kostet, steht im Ratgeber kostenlose Wohnungsauflösung.
Welcher Weg gilt für Sie?
Als grobe Orientierung: Ist die Person mittellos und lebt sie noch, führt der Weg über das Sozialamt, mit vorheriger Zusicherung. Nach einem Todesfall zahlen die Erben aus dem Nachlass. Zahlen Sie selbst, holen Sie über die Steuer einen Teil zurück und senken die Kosten über die Wertanrechnung. Auf Pflege- und Krankenkasse sollten Sie nicht bauen. Welche Kombination in Ihrer Situation greift, klären wir bei der kostenlosen Besichtigung, unverbindlich und ohne Ihnen etwas einzureden.
Über den Autor
Julian Hecht ist Mitgründer und Geschäftsführer der Freiraum Auflösungen GmbH. Seit 2020 führt er Besichtigungen und Auflösungen in Berlin und Brandenburg durch, von der Nachlassauflösung bis zur Betriebsräumung, und schreibt hier über die Fragen, die ihm Kunden dabei am häufigsten stellen. Sein psychologischer Hintergrund hilft dort, wo Auflösungen Menschen in Ausnahmesituationen treffen: nach einem Todesfall, in Messie-Wohnungen, beim Umzug ins Pflegeheim. Mehr über uns →
Häufige Fragen
Zahlt die Pflegekasse eine Haushaltsauflösung?
In aller Regel nein, eine Haushaltsauflösung oder Entrümpelung als solche ist keine Leistung der Pflegeversicherung. Die Pflegekasse fördert die Anpassung des Wohnumfelds an die Pflege (§ 40 SGB XI, sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen), also etwa Umbauten, nicht das Ausräumen einer aufgegebenen Wohnung. Auch beim Umzug ins Pflegeheim zahlt sie die Auflösung nicht: Zuschüsse nach § 40 SGB XI gibt es nur für die häusliche Pflege, etwa für den Umzug in eine barrierearme Wohnung. Die realistischen Kostenträger sind andere.
Wer zahlt die Wohnungsauflösung, wenn kein Geld da ist?
Lebt die betroffene Person noch und ist mittellos, etwa beim Umzug ins Heim, kommt das Sozialamt in Betracht. Entscheidend ist, die Kostenübernahme vorab schriftlich zusichern zu lassen, nach der Beauftragung ist es dafür zu spät. Nach einem Todesfall ist das anders: Die Räumung zahlen die Erben aus dem Nachlass. Reicht der Nachlass nicht, können Erben die Haftung auf den Nachlass beschränken oder das Erbe ausschlagen. Das Sozialamt übernimmt im Todesfall allenfalls die Kosten der Bestattung (§ 74 SGB XII), nicht die Räumung der Wohnung.
Kann ich die Kosten der Haushaltsauflösung von der Steuer absetzen?
Für den eigenen Haushalt oft ja: Die Arbeitskosten lassen sich als haushaltsnahe Dienstleistung nach § 35a EStG mit 20 Prozent (maximal 4.000 Euro im Jahr) von der Steuerschuld abziehen. Nach einem Todesfall gilt das nicht, weil die Wohnung des Verstorbenen nicht der Haushalt der Erben ist. Dort können die Auflösungskosten allenfalls bei der Erbschaftsteuer als Nachlassverbindlichkeit zählen, und das hilft nur, wenn überhaupt Erbschaftsteuer anfällt. Wir stellen eine ordnungsgemäße Rechnung mit ausgewiesenen Arbeitskosten; die steuerliche Bewertung übernimmt Ihr Steuerberater.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Entrümpelung?
Nein. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt keine Wohnungsauflösung oder Entrümpelung. Das gehört nicht zu ihrem Leistungskatalog. Auch das sollte man wissen, bevor man mit falschen Erwartungen plant.
Wie kann ich die Kosten senken, wenn niemand sie übernimmt?
Zwei Hebel: Erstens die Wertanrechnung, finden sich verwertbare Möbel, Antiquitäten oder Sammlungen, rechnen wir deren realistischen Wert gegen die Rechnung an. Zweitens die Steuer: § 35a beim eigenen Haushalt, nach einem Todesfall allenfalls die Anrechnung als Nachlassverbindlichkeit bei der Erbschaftsteuer. Beides gibt es nur, wenn die Voraussetzungen tatsächlich vorliegen, wir sagen Ihnen bei der kostenlosen Besichtigung, was in Ihrem Fall realistisch ist.
Zahlt der Vermieter die Räumung bei einem verstorbenen Mieter?
Grundsätzlich nicht, die Räumung des Hausrats ist Sache der Erben beziehungsweise des Nachlasses. Der Vermieter kann die Wohnung erst nach Beendigung des Mietverhältnisses weitervermieten und hat einen Anspruch auf Rückgabe im vertragsgemäßen Zustand. Schlagen alle Erben das Erbe aus, wird die Abwicklung langwieriger: Meist beantragt dann der Vermieter beim Nachlassgericht einen Nachlasspfleger, der die Räumung aus dem Nachlass veranlasst. Das Sozialamt zahlt die Räumung auch in diesem Fall nicht.