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Wohnungsauflösung ohne Erbschein oder nach Erbausschlagung: Wer räumt, und wer zahlt?

Nach einem Todesfall stellen sich zwei Fragen oft gleichzeitig: Brauche ich für die Wohnungsauflösung überhaupt einen Erbschein? Und was passiert, wenn ich das Erbe ausschlagen möchte, wer räumt dann die Wohnung? Dieser Ratgeber beantwortet beides klar, ordnet die wichtigsten Fristen ein und zeigt, welche Wege es gibt. Er ersetzt keine Rechtsberatung, gibt Ihnen aber die nötige Orientierung, um die richtigen Schritte zu gehen.

Von: Julian Hecht Veröffentlicht: 22. Juli 2026

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Wohnungsauflösung ohne Erbschein: geht das?

Viele Erben glauben, ohne Erbschein handlungsunfähig zu sein. Das stimmt für die Auflösung einer Mietwohnung in den meisten Fällen nicht. Mit dem Erbfall treten Sie automatisch in das Mietverhältnis der verstorbenen Person ein (§ 564 BGB). Sie können es kündigen und die Wohnung räumen lassen, ohne zuvor einen Erbschein beantragt zu haben.

Ein Erbschein ist ein amtliches Zeugnis über Ihr Erbrecht. Nötig wird er vor allem dort, wo Dritte besonders absichern müssen, etwa Banken bei der Kontoauflösung oder das Grundbuchamt bei einer Immobilie. Für den Vermieter und für ein Räumungsunternehmen genügt dagegen meist ein einfacherer Nachweis: ein notarielles Testament mit Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts oder Unterlagen, die Ihre Stellung als gesetzlicher Erbe belegen. Den vergleichsweise teuren Erbschein können Sie sich in vielen Auflösungs-Fällen also sparen.

Wie eine Auflösung im Trauerfall insgesamt abläuft, lesen Sie in unserem Ratgeber Haushaltsauflösung nach Todesfall. Wenn mehrere Erben beteiligt sind, hilft Erbengemeinschaft auflösen weiter. Wie viel Zeit nach der Kündigung bleibt und wer die Räumung bezahlt, steht bei der Wohnungsauflösung nach Todesfall: Fristen und Kosten.

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Erbe ausschlagen: Wer räumt dann die Wohnung?

Ist der Nachlass überschuldet oder wollen Sie mit der Sache nichts zu tun haben, können Sie das Erbe ausschlagen. Dann sind Sie für die Wohnung nicht mehr verantwortlich, nicht für die Räumung und nicht für die Kosten. Für die Wohnung wichtig ist die Reihenfolge:

  • Frist beachten: Die Ausschlagung muss binnen sechs Wochen ab Kenntnis erklärt werden (§ 1944 BGB), beim Nachlassgericht oder notariell.
  • Nichts ausräumen: Solange Sie ausschlagen wollen, dürfen Sie die Wohnung nicht auflösen oder Hausrat verwerten. Das kann als Annahme des Erbes gelten.
  • Verantwortung wandert weiter: Nach der Ausschlagung rücken die nächsten Erben nach.

Schlagen alle Erben aus, ordnet das Nachlassgericht häufig eine Nachlasspflegschaft an; ein Nachlasspfleger kümmert sich dann um die Abwicklung. Findet sich niemand, fällt der Nachlass am Ende an den Staat (Fiskuserbschaft). In der Praxis muss in solchen Fällen oft der Vermieter die Räumung veranlassen und seine Kosten als Forderung gegen den Nachlass geltend machen. Genau solche Räumungen, im Auftrag von Nachlasspflegern, Nachlassverwaltern oder Vermietern, führen wir in Berlin regelmäßig durch.

Die Ausschlagung selbst: Frist, Form, Kosten, und wer dann erbt

Wer ein Erbe ausschlägt, wird rechtlich so behandelt, als wäre er nie Erbe geworden (§ 1953 BGB). Das ist eine Alles-oder-nichts-Entscheidung: Mit der Ausschlagung entfallen die Haftung für Schulden, die Verantwortung für die Mietwohnung und die Räumungspflicht, aber auch alle Rechte am Hausrat, an Erinnerungsstücken und an allem, was noch Wert hat.

Die Frist beträgt sechs Wochen ab dem Zeitpunkt, an dem Sie vom Erbfall und vom Grund Ihrer Berufung erfahren (§ 1944 BGB), bei gesetzlicher Erbfolge meist ab der Todesnachricht, bei einem Testament ab dessen Eröffnung. Sie verlängert sich auf sechs Monate, wenn der Verstorbene zuletzt im Ausland wohnte oder Sie sich bei Fristbeginn im Ausland aufhalten. Nach Fristablauf gilt das Erbe als angenommen, automatisch und ohne Unterschrift.

Die Form: Ein formloser Brief an das Nachlassgericht ist unwirksam. Es gibt zwei Wege: persönlich zur Niederschrift beim Amtsgericht (Nachlassgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen oder das Amtsgericht an Ihrem Wohnort, das weiterleitet; Personalausweis, Sterbeurkunde und Aktenzeichen mitbringen; in Berlin ist für alle Bezirke das Amtsgericht Schöneberg das zentrale Nachlassgericht) oder über den Notar, der Ihre Unterschrift beglaubigt und die Erklärung fristwahrend an das Gericht gibt. Rücken durch Ihre Ausschlagung minderjährige Kinder nach, müssen in der Regel beide Sorgeberechtigten für das Kind ausschlagen; die Details gehören in eine kurze anwaltliche oder notarielle Beratung.

Die Kosten sind niedrig: Das Gericht berechnet mindestens 30 €, bei überschuldetem Nachlass bleibt es in aller Regel dabei; der Notar berechnet für die Beglaubigung zusätzlich seine Gebühr.

Wer erbt dann? Das Erbe rückt entlang der gesetzlichen Erbfolge weiter, und die erste Station sind Ihre eigenen Kinder, auch minderjährige. Für sie muss innerhalb der eigenen Sechs-Wochen-Frist separat ausgeschlagen werden, sonst erben die Kinder die Schulden der Großeltern. Danach wandert das Erbe an Geschwister des Verstorbenen, deren Kinder, die Eltern und entferntere Verwandte. Wer ausschlägt, sagt es den Nachrückenden sofort, das erspart der Familie Streit. Schlagen alle aus, erbt der Staat, der nur mit dem Nachlass selbst haftet.

Der Beerdigungskosten-Irrtum: Die Beerdigungskosten trägt der Erbe (§ 1968 BGB), und wer ausschlägt, ist nicht Erbe. Daneben besteht aber die Bestattungspflicht der Bundesländer: Nahe Angehörige müssen für die Bestattung sorgen, unabhängig davon, ob sie erben. Wer die Kosten nicht tragen kann, beantragt beim Sozialamt die Übernahme (§ 74 SGB XII), möglichst bevor der Bestatter beauftragt wird.

Wer zahlt, wenn niemand erbt oder der Nachlass leer ist?

Die Kosten der Wohnungsauflösung werden zunächst aus dem Nachlass bezahlt. Ist er überschuldet, können Erben ihre Haftung auf den Nachlass beschränken oder ausschlagen. Das Sozialamt übernimmt nach einem Todesfall allenfalls die Bestattungskosten, nicht die Räumung. Welche Kostenträger in welcher Situation greifen, erklärt der Überblick Wer zahlt die Haushaltsauflösung? und, speziell zum Leistungsbezug, Wohnung räumen mit Sozialamt / Jobcenter.

Was vor einer möglichen Ausschlagung tabu ist, und was erlaubt bleibt

Die Ausschlagungsfrist beträgt sechs Wochen ab Kenntnis vom Erbfall und der eigenen Erbenstellung (§ 1944 BGB); erklärt wird die Ausschlagung beim Nachlassgericht oder über einen Notar. Bis diese Entscheidung gefallen ist, gilt eine einfache Richtschnur: Nichts tun, was wie Eigentümer-Verhalten aussieht. Wer Wertgegenstände mitnimmt, Möbel verkauft, das Konto des Verstorbenen nutzt oder die Wohnung komplett ausräumt, riskiert, dass dies als schlüssige Annahme der Erbschaft gewertet wird, danach ist die Ausschlagung regelmäßig versperrt.

Erlaubt bleiben reine Sicherungs- und Ordnungsmaßnahmen: die Wohnung abschließen, verderbliche Lebensmittel entsorgen, wichtige Unterlagen sichten und sichern, den Vermieter informieren. Im Zweifel gilt: erst anwaltlich klären, dann handeln. Auch wir nehmen Aufträge in dieser Schwebephase bewusst nur eingeschränkt an, eine vollständige Räumung vor geklärter Erbenstellung wäre ein Bärendienst, den ein seriöser Betrieb nicht erweisen sollte.

Der praktische Weg: Schritt für Schritt

1. Entscheiden Sie zuerst, ob Sie annehmen oder ausschlagen, und halten Sie die Sechs-Wochen-Frist ein. 2. Bei Annahme: Prüfen Sie, ob ein Erbschein für Ihren konkreten Fall überhaupt nötig ist (für die reine Wohnungsauflösung meist nicht). 3. Kündigen Sie das Mietverhältnis und vereinbaren Sie eine kostenlose Besichtigung. 4. Wir sichern Dokumente und Wertsachen, lösen die Wohnung zum Festpreis auf und übergeben sie besenrein. Verwertbare Gegenstände rechnen wir dabei an, mehr dazu unter Haushaltsauflösung mit Wertanrechnung.

Hinweis: Dieser Text gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Für die verbindliche Beurteilung Ihres Falls wenden Sie sich an einen Anwalt für Erbrecht oder einen Notar.

Über den Autor

Julian Hecht ist Mitgründer und Geschäftsführer der Freiraum Auflösungen GmbH. Seit 2020 führt er Besichtigungen und Auflösungen in Berlin und Brandenburg durch, von der Nachlassauflösung bis zur Betriebsräumung, und schreibt hier über die Fragen, die ihm Kunden dabei am häufigsten stellen. Sein psychologischer Hintergrund hilft dort, wo Auflösungen Menschen in Ausnahmesituationen treffen: nach einem Todesfall, in Messie-Wohnungen, beim Umzug ins Pflegeheim. Mehr über uns →

Häufige Fragen

Kann ich eine Wohnung ohne Erbschein auflösen?

In vielen Fällen ja. Für die reine Räumung und Auflösung einer Mietwohnung ist ein Erbschein nicht zwingend erforderlich. Als Erbe treten Sie mit dem Erbfall automatisch in das Mietverhältnis ein (§ 564 BGB) und können es kündigen sowie die Wohnung räumen lassen. Ihre Erbenstellung lässt sich oft auch mit einem notariellen Testament samt Eröffnungsprotokoll nachweisen. Einen Erbschein verlangt in der Regel nur, wer besonders absichern muss, etwa Banken oder das Grundbuchamt. Für Vermieter und ein Räumungsunternehmen genügt meist der Nachweis über Testament oder die Stellung als gesetzlicher Erbe. Das ist keine Rechtsberatung, im Zweifel klärt das Ihr Anwalt oder Notar.

Wer räumt die Wohnung, wenn ich das Erbe ausschlage?

Wenn Sie das Erbe wirksam ausschlagen (§ 1942 BGB), sind Sie nicht mehr für die Wohnung verantwortlich, weder für die Räumung noch für die Kosten. Die Verantwortung geht dann auf die nächsten Erben über. Schlagen alle Erben aus, wird häufig eine Nachlasspflegschaft angeordnet; kümmert sich niemand, fällt der Nachlass letztlich an den Staat (Fiskuserbschaft). In der Praxis muss dann oft der Vermieter die Räumung veranlassen und seine Kosten als Nachlassforderung geltend machen. Wichtig: Räumen Sie die Wohnung nicht selbst aus, wenn Sie ausschlagen wollen. Das könnte als Annahme des Erbes gewertet werden.

Welche Frist gilt für die Ausschlagung des Erbes?

Die Ausschlagung muss innerhalb von sechs Wochen erfolgen, nachdem Sie von der Erbschaft und dem Grund Ihrer Berufung erfahren haben (§ 1944 BGB). Sie wird beim Nachlassgericht oder notariell erklärt. Nach Ablauf der Frist gilt das Erbe als angenommen, mit allen Pflichten, auch für die Wohnung. Bei überschuldetem Nachlass ist die Frist besonders wichtig.

Muss ich die Wohnung räumen, bevor ich weiß, ob ich das Erbe annehme?

Nein, und Sie sollten es auch nicht. Solange Sie überlegen auszuschlagen, führen Sie keine Handlungen aus, die als Annahme gelten könnten. Dazu zählt das Ausräumen oder Verwerten von Hausrat. Sichern lässt sich in dieser Phase allenfalls Verderbliches oder Gefährdendes. Erst wenn feststeht, dass Sie erben, beginnt die eigentliche Wohnungsauflösung.

Wer zahlt die Wohnungsauflösung, wenn der Nachlass überschuldet ist?

Grundsätzlich werden die Kosten aus dem Nachlass bezahlt. Reicht er nicht, können Erben ihre Haftung auf den Nachlass beschränken oder ausschlagen. Gibt es keine Erben, veranlasst ein Nachlasspfleger die Räumung aus dem Nachlass. Das Sozialamt übernimmt nach einem Todesfall allenfalls die Bestattungskosten, nicht die Räumung. Einen Überblick über alle Kostenträger gibt unser Ratgeber „Wer zahlt die Haushaltsauflösung?".

Kann Freiraum bei einer Wohnungsauflösung ohne Erbschein helfen?

Ja. Wir lösen in Berlin regelmäßig Wohnungen für Erben auf, die noch keinen Erbschein haben oder ihn gar nicht benötigen, ebenso im Auftrag von Nachlasspflegern und Nachlassverwaltern. Persönliche Dokumente und Wertsachen sichern wir vorab und übergeben sie der berechtigten Person. Zum verbindlichen Festpreis nach kostenloser Besichtigung.

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